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„Der Österreichische Bibelübersetzer“

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Die Bibel auf Mittelhochdeutsch – der Österreichische Bibelübersetzer

Der Österreichische Bibelübersetzer gehört zu den bedeutendsten Bibelübersetzern vor Luther. Über die historische Person hinter dem Behelfsnamen weiß man nicht viel, außer dass er kein Geistlicher, sondern ein Laie war, der in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts im mittelalterlichen Herzogtum Österreich, ungefär zwischen Salzburg und Passau die lateinische Vulgata ins Deutsche übertrug, kommentierte und auslegte.

Mit seinen drei Hauptwerken, dem Alttestamentlichen Werk, dem Psalmenkommentar sowie dem Evangelienwerk übersetzt er weite Teile der Bibel in die deutsche Sprache. Doch bei der Übersetzung belässt er es nicht: Immer wieder werden umfassende Kommentare und Glossen eingefügt, die sein Ansinnen unterstützen, als Laie den Laien die Heilige Schrift zu erkären und näherzubringen.

Dabei muss der Österreichische Bibelübersetzer sich nach zwei Seiten abgrenzen: zum einen gegen den Häresieverdacht der etablierten Kirche, zum anderen gegen bereits vorhandene Fehldeutungen, wie er sie Ketzern und Juden zuschreibt. Besonders vehement tut er dies in den Vorreden zu seinen einzelnen Werken. Selbstbewusst darf der Bibelübersetzer auch sein, denn seine Arbeitsweise ist trotz seines Laienstatus keineswegs laienhaft, sondern zeugt von einem hohen Bildungsgrad und großer Kompetenz im Umgang mit der Heiligen Schrift selbst und den anderen von ihm herangezogenen Quellen. Hierbei baut er neben der Inspiration durch den Heiligen Geist auch auf wol gelerter leut hilf und rat. So benutzt er neben der weit verbreiteten Glossa ordinaria, dem Standardwerk zur Exegese und Kommentierung zur biblischen Geschichte, die Historia Scholastica des Petrus Comestor und auch das zeitgenössische lateinische Psalmenwerk des Franziskaners Nikolaus von Lyra noch während dessen Lebzeiten.

Die Strategie des Bibelübersetzers scheint aufgegangen zu sein, seine Werke erfreuten sich offenkundig großer Beliebtheit. Mehr als 120 Textzeugen sind uns derzeit bekannt. Inbesondere das Evangelienwerk und der Psalmenkommentar sind in prachtvollen und großformatigen Handschriften überliefert. Hier zu sehen ist die einzige Miniatur in einer 1427 in Aschbach (Niederösterreich) entstandenen Handschrift des Psalmenkommentar. Sie zeigt die Kreuzigungsgruppe mit Maria, dem gekreuzigten Christus und dem Apostel Johannes. Zusätzlich schmücken 9 prächtige Deckfarbeninitialen den Text (Klosterneuburg, Stiftsbibl., Cod. 11, fol. 129v, www.manuscripta.at).

Sie hören Lesungen auf Mittelhochdeutsch aus den Werken des Österreichischen Bibelübersetzers

Das Alttestamentliche Werk

Gelesen von Dr. Magdalena Terhorst (Akademienvorhaben "Der Österreichische Bibelübersetzer", Arbeitsgruppe Augsburg)

⇒Gn 3: Sie hören aus dem Alttestamentlichen Werk eine gekürzte Fassung der Geschichte von Adam und Eva.

 

Das Evangelienwerk

Gelesen von Dr. Astrid Breith und Mag. Dr. Christine Glaßner (Institut für Mittelalterforschung, Österreichische Akademie der Wissenschaften) 

⇒Lc 15,11–32Sie hören aus dem Evangelienwerk die Geschichte vom verlorenen Sohn.

⇒Ion 1, 1-3–10: Sie hören aus dem Evangelienwerk die Geschichte von Jona und dem Wal.

 

Der Psalmenkommentar

Gelesen von Dr. Nathanael Busch (Akademienvorhaben "Handschriftencensus (HSC) - Kompetenzzentrum Deutschsprachige Handschriften des Mittelalters", Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz)

⇒Ps 80: Sie hören aus dem Psalmenkommentar Psalm 80, der Bitte für Israel, den Weinstock Gottes, auf Alemannischen.